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Udinese Calcio – AC Fiorentina
Sonntag, 29. Jänner 2006
– 15:00 Uhr ::: Stadio Friuli, Udine (Italien) – 15.000 Zuschauer
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Bilder) Udine, 29. Jänner 2006
Sonntag,
schöner Wintertag im Salzburger Land – aber die Serie A lockt. Lange
Winterpausen im Fußball kennt die höchste Spielklasse Italiens nicht. Auch wir
wollten 2006 schon im Jänner guten Fußball im Stadion sehen, was hätte sich dazu
besser geeignet, als ein Sonntagsausflug ins norditalienische Friaul. Der
Alkohol war gepackt, so ging es mit dem Zug ab in den Süden. Nur 80 Minuten
Bahnfahrt sind es vom Kärntnerischen Villach nach Udine.
Der aktuell Elfte
der Tabelle in der Serie A empfing den Vierten, Udinese Calcio gegen AC
Fiorentina. Die Schwarz-Weißen von Udine kriseln trotz
Champions-League-Teilnahme schon die ganze Saison etwas dahin. Heute wollten
sie im Heimspiel unbedingt punkten, in einer Woche gastiert man bei
Tabellenführer und Erzfeind Juventus Turin und da sind die Erfolgsaussichten
doch wesentlich geringer. Für die Violetten aus der Toskana galt es bei diesem
Auswärtsspiel, die gute Platzierung in der Tabelle zu verteidigen, immerhin berechtigt
ihr aktuell 4. Platz am Saisonende zur Champions-League-Qualifikation.
In Udine
angekommen, mussten wir erst einige Passanten nach dem Weg ins Stadion fragen.
Dass ca. 100 Kilometer von der Grenze zu Österreich entfernt dort so gut wie
niemand mehr auch nur das Nötigste Deutsch drauf hat und dass auch Englisch für
die Italiener nicht nur eine Fremdsprache sondern überhaupt ein Fremdwort ist,
machte dieses Unterfangen nicht leichter. Wild gestikulierend und mit der
Mobilisierung einiger Vokabel-Reserven für dieses Land, gelang es aber dann
doch recht problemlos, unser ganz genaues Ziel anzusteuern. Ein freundlicher
Mann mit Lazio-Jacke erledigte alles für uns, suchte uns die richtige Linie und
dann waren wir mit der 9er schon bald vor dem Stadion. Dort fanden wir zunächst
nicht allzu viel vor, bald öffnete dann ein ums andere Kiosk, die Snack-Bars
und Fanartikel-Zelte prägen das Bild vor dem Stadion. Originale gibt’s bei den
Fanartikel-Ständen keine zu kaufen, dafür kann man bei Kirchtag-Atmosphäre gleich
Artikel sämtlicher namhafter Vereine Italiens erwerben. Das Stadion selbst ist
übrigens ein altmodischer Beton-Tempel, reiht sich somit perfekt in eine Reihe
von Stadien in Italien ein. Markantestes Merkmal ist ein großer Betonbogen, der
mit dem Dach der Haupttribüne verläuft. Ansonsten ist das schlichte Oval nicht
überdacht.
15.000 Zuschauer
haben sich im „Stadio Friuli“ eingefunden. Dass es nicht mehr waren, kann so
ganz nebenbei wohl auch den Grund haben, dass die Eintrittspreise eine
Frechheit sind. 35 Euro musste ich für eine recht passablen Platz auf der
(nicht überdachten, diesmal zwar egal, kein Regen...) Gegentribüne hinblättern.
Damit kostete das Ticket gleich viel, wie etwa der Eintritt ins Münchner
Olympiastadion beim Champions-League-Spiel Bayern gegen Ajax in der Vorrunde
der Spielzeit 2004/05 – eine ganz andere Gala damals. Zusätzliche
Unannehmlichkeit am Rande: An den Ticket-Containern (!) musste ein
Lichtbildausweis vorgelegt werden, die Karten
(„Bigletti“, das Vokabel könnte man durchaus mal gebrauchen) wurden mit
Namen versehen ausgestellt. Eine Kuriosität lieferten mir dann noch die Herren
an der Eingangskontrolle: Eine gefüllte große Mineralwasser-Flasche aus Plastik
durfte ich mitnehmen, allein den Stöpsel musste ich abgeben. Die
beiden Fanseiten duellierten sich angesichts der geringen Zuseherzahl ganz
beträchtlich. Eine besondere Choreographie sahen wir nicht, wobei die
Heimischen immerhin mit 2 Überziehfahnen präsent waren, eine davon zeigte das
Udine-Logo und wurde auf der Nordkurve der Udine-Fans hochgehalten, schon bei
Spielbeginn präsentierte die Gegentribüne auf der Längsseite des Spielfelds
eine große Überziehfahne. Die Gäste aus Florenz legten zu Spielbeginn eine
Doppelhalter- und Fahnenchoreographie hin, ein Feuerchen schwindelte sich dazu
– Italien pur war’s jedenfalls nicht.
Italien pur war
(leider) eher das Ergebnis des Spiels, ein 0:0 kam dabei heraus. Udine begann
engagiert, wollte die Fans für zuletzt schwache Spiele entschädigen. Aber
wenn’s nicht läuft, läuft es eben nicht – so mussten die Schwarz-Weißen nach
gut 20 Minuten mit einem Spieler weniger auskommen. Ausgangspunkt war eine
kuriose Situation: Ein Freistoß für Udine aus relativ großer Distanz, der
Schütze schaffte es, die ganz kleine Mauer anzuschießen und dann ging die Post
ab bei Fiorentina, ein Violetter musste zurückgezogen werden um einen
gefährlichen Konter zu unterbinden – blöd nur, dass dieses Foul der schon mit
Gelb vorbelastete Spieler von Udine begangen hatte, viele dachten dann schon an
eine Vorentscheidung zugunsten der Gäste. Diese kamen aber nie richtig ins
Spiel, Star-Stürmer Luca Toni war gut aufgehoben in der Udine-Abwehr. Die
beiden besten Chancen des Spiels hatte dann sogar Udine, noch in der 1.
Halbzeit und dann auch in der 2. Spielhälfte fanden die Heimischen je einen
Matchball vor. Nach dem Schlusspfiff gab’s trotzdem sehr positive Reaktionen
der Fans im „Stadio Friuli“, die Leute waren überwiegend zufrieden,
Bescheidenheit ist wieder eingekehrt im Nordosten Italiens.
Nach Spielende
genossen wir standesgemäß eine Pizza und mehrere Bier. Viel war nicht los in
der 100.000 Einwohner-Stadt, aber wir fanden dann doch die eine oder andere
gemütliche Bar und hübsche Mädels lauern in Italien ohnehin an jeder Ecke ;-)
Nachdem
es uns ums Dabei sein gegangen ist, waren wir zufrieden. Ein Spiel mit Toren
ist auch nicht garantiert, wenn man fünf mal so viele Kilometer für irgendein
Spiel abspult. Wegen der Stadt muss man Udine nicht besuchen, wegen des
Stadions auch nicht. Persönliche Kontakte und eine Fanfreundschaft der
Udine-Fans mit dem Violetten Salzburg sind die besten Gründe, um zu einem
Heimspiel von Udinese Calcio zu kommen. In diesem Sinne: Wir kommen wieder!