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UEFA Champions League 2004/05 – Vorrunde, 2. Spieltag

FC Bayern München – AFC Ajax Amsterdam

Dienstag, 28. September 2004 --- 20:45 Uhr --- Olympiastadion München

        Hier gibt’s die besten Bilder vom Spiel in München

 

Der 28. September 2004: Es schien, als würde sich dieser Tag zu einem ganz normalen Dienstag entwickeln. Es gab keine große Freude über irgendeine bestimmte Sache, aber es war auch nichts, worüber man sich aufregen müssen hätte. Ich bin in der Früh in die Berufsschule nach Zell am See gefahren, habe meinen Wagen schön parallel eingeparkt und bin dann gut gelaunt aber nicht ahnend, wie sich dieser Tag noch entwickeln sollte, zur Schule marschiert.

 

In der Schule ließen es ich und mein Banknachbar wieder einmal sehr gemächlich angehen – auch nichts Besonderes. Wir quatschten fast ausschließlich über Fußball – wie immer, nichts Neues. Als wir dann zum Thema Champions League kamen, war die (meine) Idee bald geboren. Ich dachte, es wäre ja im Prinzip möglich, nach der Schule noch kurzerhand nach München zu fahren und dort das Spiel Bayern München gegen Ajax Amsterdam live vor Ort anzuschauen. Die Überlegungen, wie denn das anzustellen wäre, wurden rasch konkreter und der Unterricht in der Schule wurde nicht mal mehr mit einem Ohr aufgenommen. Zunächst war zu klären, ob es für dieses Top-Schlager überhaupt noch Karten gibt. Mein Handy lief heiß, bis schließlich aus verlässlicher Quelle die Information kam, dass es noch reichlich Karten beim Stadion zu kaufen gibt. Alleine willst du dir so etwas natürlich auch nicht antun, also versuchte ich auch gleich, jemanden zum Mitfahren zu bewegen. Mit mir gefahren ist dann Matthias. Als ich ihn darum angerufen habe, musste er zunächst etwas Luft nehmen und sich die Sache durch den Kopf gehen lassen. Er wollte unbedingt dabei sein, es wurde ihm erlaubt und somit war auch die Sache mit dem Mitfahrer bereits geklärt. Meine Leute hätten wohl keine Freude gehabt, wenn ich ihnen diese Idee gleich noch vor dem Wegfahren bekannt gegeben hätte – man macht sich ja sonst keine Sorgen ;-) So packte ich noch eine Portion an handfesten Notlügen aus und schon ging es los.

 

Der Unterricht in der Berufsschule endete um 16:40 Uhr, Spielbeginn in München war um 20:45 Uhr. Pünktlich mit der Schlussglocke bewegte ich mich eiligen Schrittes vom Schulgebäude zu meinem Auto. Ich fuhr dann von Zell am See zunächst nach Leogang und holte den Matthias ab. Dann lenkte ich mein Auto noch einmal kurz zu mir nach Hause um dort die Schultasche abzulegen und meine Digitalkamera zu holen – man will ja nachher etwas zum Anschauen haben nach so einem Ausflug. Bevor es dann von zu Hause aus endgültig nach München ging, stellte ich noch den Tageskilometerzähler auf Null. Um exakt 17:47 Uhr war endlich Abfahrt bei mir zu Hause. In Fieberbrunn (wir fuhren bei der Hinfahrt über Kufstein) wurde ein kurzer Tankstopp eingelegt, Matthias kaufte sich noch ein paar „Guti’s“ (so bezeichnete der Tankstellen-Verkäufer die diversen Süßigkeiten – ein Tiroler eben ;-). Auf weitere Pausen wurde verzichtet, daher waren wir um kurz nach halb Acht irgendwo in München. Die Orientierung (Mittlerer Ring?) fehlte mir/uns etwas. Die meisten Passanten konnten leider keine sonderlich guten Auskünfte über den Weg ins Stadion geben. So entschied ich mir dafür, den Wagen einfach am nächstbesten Parkplatz abzustellen. Am Karl-Preis-Platz fand sich eine Parkgelegenheit. Dort fand sich dann auch endlich eine Ortskundige, die gute Weg-Auskünfte geben konnte. Zu dieser Zeit waren wir schon ziemlich in Eile, der Spielbeginn näherte sich mit großen Schritten – wenn die Zeit nur einmal bei einer knappen Führung von Austria Salzburg so schnell vergehen könnte ;-) Wir begaben uns in die U2, stiegen am Scheidplatz auf die U3 um und kamen so zum Olympiapark. Das Stadion war zwar bald in Sichtweite, doch bis wir tatsächlich dort waren und unsere Karten hatten, tickten noch einmal einige Minuten herunter. Erst etwa zehn Minuten vor Spielbeginn waren wir dann endlich auf unserem Sitzplatz. Das war sehr knapp, es hätte uns nicht nur geärgert, hätten wir den Ankick verpasst – auch bei Versäumen von Einmarsch und Champions-League-Hymne wären wir ziemlich angefressen gewesen.

 

Nachdem sich zeitlich gerade noch alles ausgegangen war, konnten wir uns vor allem auch über unsere tollen Plätze im Stadion freuen. Wir waren im oberen Teil der Haupttribüne, hatten auf den besten Plätzen einen sehr guten Überblick über alles im Stadion. Für die Eintrittskarte mussten wir den Vollpreis von 35 EUR hinlegen, man kann’s verkraften. Auf die Sekunde genau um 20:45 Uhr pfiff dann der französische Schiedsrichter die Partie an. Es war ja ein absolutes Spitzenspiel, beide Vereine haben die Champions League in ihrer Vergangenheit bereits gewonnen, beide Klubs sind in ihren Heimatländern Kult. Besonders die Bayern-Mannschaft war natürlich sehr interessant zu beobachten, alle Top-Spieler waren aufgeboten. Das Stadion war dann nicht restlos ausverkauft, mit 50.000 Zuschauern aber dennoch recht gut gefüllt. Bei Spielbeginn zündeten die Ajax-Fans 3 Bengalen, die Bayern-Fans schwenkten ihre größeren und kleineren Fahnen. Durch die Kulisse von 50.000 Zuschauern kam natürlich eine gewisser Pegel an Lautstärke auf, wegen der Fans muss man allerdings bestimmt nicht nach München zu einem Bayern-Heimspiel fahren – das hat sich bei diesem Spiel relativ deutlich gezeigt. Das Spiel verlief in den Anfangsminuten ausgeglichen, Ajax kam ebenso zu Möglichkeiten wie Bayern. Die Partie war bald befreit von Vorsichtsstrategien und es entwickelte sich schnell ein interessanter Schlagabtausch. Allmählich kamen die Bayern zu leichten Vorteilen, bei einem ursprünglich gar nicht so gefährlichen Angriff der Bayern hatten die Niederländer großes Glück, nicht in Rückstand zu geraten – es rettete die Außenstange. In der 28. Minute gingen die Bayern dann durch ein Traumtor verdient in Führung. Torschütze war der holländische Top-Stürmer im Dress der Münchner – Roy Makaay. Allein wegen Makaay hätte sich dieser Trip nach München bereits gelohnt. In der 44. Minute war er erneut zur Stelle, diesmal machte er das Tor per Kopf. Pausenstand war 2:0. Nach der Pause schalteten die Bayern – etwas unerwartet – vorerst noch nicht zurück, im Gegenteil: Der Druck von Bayern wurde den Amsterdamern zu groß, so kamen die Münchner in der 52. Minute zu einem Elfmeter. Dieser wurde verwandelt, Torschütze war – richtig – Roy Makaay. Damit hatte der Holländer seinen Hattrick, aber der Schlusspunkt folgte erst drei Minuten später. Die schönste aller Kombinationen an diesem Abend auf hohem Niveau schloss Zé Roberto gekonnt  zum 4:0 für die Bayern ab. Dieses Tor war etwas für Fußball-Feinschmecker, wunderschön herausgespielt – zum Zunge schnalzen. Nach diesem Treffer schalteten die Bayern dann aber doch zurück, zu diesem Zeitpunkt waren die Zuschauer allerdings schon soweit zufriedengestellt, dass es der Mannschaft verziehen wurde. Ajax hätte mit etwas Glück zwar noch den Ehrentreffer machen können, es gelang ihnen aber nicht mehr. Die Bayern-Fans sangen „Adio, Adio Amsterdam – ihr kommt nie wieder hierher zurück“ mit der Melodie von Rex Gildos „Fiesta Mexicana“. Der Bayern-Sieg von 4:0 war dann schließlich auch in dieser Höhe verdient. Da die Bayern ja eher als launische Mannschaft gelten, dürfen wir uns freuen, ausgerechnet bei einem der besten Bayern-Heimspiele der letzten Jahre live vor Ort gewesen zu sein. Von der Südkurve war aber nichts Besonderes zu sehen, das Dauerschwingen der Fahnen kann man auch anderswo erleben.

 

Nachdem noch letzte Fotos vom Stadion gemacht wurden, gingen wir wieder zur U-Bahn Station beim Olympiapark und wir fuhren im Untergrund wieder zum Karl-Preis-Platz, wo ja das Auto abgestellt war. Für die Heimfahrt in dieser Vollmondnacht wählten wir die Route etwas anders, wir fuhren auf die Autobahn Richtung Salzburg auf (um punkt Mitternacht), verließen diese dann bei der Abfahrt Bad Reichenhall und von dort war es dann nicht mehr weit nach Hause. Bei Lofer kam uns der letzte Gegenverkehr unter, die letzten (etwa 30) Kilometern begegnete uns kein Auto mehr ;-) Als wir nach insgesamt 352 Kilometern Fahrt kurz nach zwei Uhr in der Früh heimgekommen sind, konnten wir uns über einen sehr interessanten Ausflug freuen. Es war mein/unser erstes Champions-League-Spiel live im Stadion, das vor großer Kulisse bei einem Aufeinandertreffen zweier absoluter Spitzenklubs mit Kult-Charakter in Europa. Das Allerbeste an diesem Trip war aber die unglaubliche Spontanität der Planung. Am Morgen dieses Tages hatten wir noch nicht einen Gedanken an dieses Match verschwendet, dazu lief auch noch das ganz normale Alltagsleben. Wir erkannten allerdings, dass die Verpflichtungen des Alltags diesmal ein Grund aber kein Hindernis waren und somit kam es zu dieser tollen Idee mit ebenso toller Umsetzung. Da kommt schon wieder der Stolz eines Fußballfans hervor.

 

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